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Forensische Katastrophenanalysen zum Zyklon IDAI

Über einen Zeitraum von 2 Wochen erfasste das langlebige Tropensystem IDAI in der ersten Hälfte des Märzes 2019 weite Teile Südostafrikas. Zuerst waren es nur die Vorläufer eines tropischen Wirbelsturms, die in Malawi zu schweren Überschwemmungen führten. Einige Tage später durchlief das System aber über dem warmen Wasser des Mosambikkanals alle Entwicklungsstufen eines Tropischen Wirbelsturms und wurde schließlich zu einem ausgewachsenen Zyklon mit anhaltenden Winden von 195 km/h und Böen von bis zu 280 km/h. Kurz nach seiner Spitzenintensität ging IDAI in der Nacht vom 14. auf den 15. März 2019 in Mosambik einige Kilometer nördlich der Stadt Beira an Land (Abb. 1). Seine langsame Verlagerungsgeschwindigkeit verbunden mit verheerende Sturmfluten, heftigen Winden und einer enormen Niederschlagssumme führten schließlich zu erheblichen Schäden und Überschwemmungen in der Region. Auch anschließend verursachten die Überreste des sich abschwächenden tropischen Systems weitere schwere Überschwemmungen verbunden mit Erdrutschen weit bis ins Landesinnere im Osten Simbabwes.

 

Abb. 1: Verlauf des Zyklones IDAI inkl. der am stärksten betroffene Gebiete (dunkelblau) und betroffene Gebiete (hellblau) in den Staaten des südöstlichen Afrika (Mosambik, Malawi und Simbabwe; Quelle: reliefweb.int).

 

Insgesamt waren rund 3 Millionen Menschen von IDAI und seinen Auswirkungen betroffen. IDAI forderte mehrere hundert Menschenleben und ließ Hunderttausende obdachlos und vertrieben in der Region zurück. Bis dato war IDAI für Mosambik der verheerendste und tödlichste tropische Wirbelsturm der Geschichte werden.

Aktuell untersucht die interdisziplinäre Forensic Disaster Analysis (FDA) Group am Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) – eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung des KIT im Bereich des Katastrophenmanagements, an der auch das IMK-TRO beteiligt ist – zusammen mit der Weltbank im Rahmen einer Kooperation die Auswirkungen des tropischen Sturms (Abb. 2). Ziel der FDA-Aktivitäten ist unmittelbar nach dem Eintreten einer Katastrophe diese zu bewerten, die Folgen abgeschätzt, die zeitliche Entwicklung nachverfolgt und die wichtigsten Faktoren identifiziert, die für die Auswirkungen maßgeblich sind. Forensisch bezeichnet dabei das Zusammenführen von Methoden und Erkenntnissen unterschiedlicher Disziplinen mit dem Ziel, Katastrophen und ihre maßgeblichen Treiber möglichst um­fassend zu beschreiben bzw. zu rekonstruieren.

 

Abb. 2: Vorläufige Schadensschätzungen und Footprints (Quelle: CEDIM FDA Group in Kooperation mit der Weltbank).

 

Übersicht vergangener FDA-Aktivitäten des CEDIM:
https://www.cedim.kit.edu/2926.php

Ergänzende Wetterinformationen zum Zyklone IDAI:
http://www.wettergefahren-fruehwarnung.de/Ereignis/20190320_e.html

[Arbeitsgruppe: Atmosphärische Risiken]
Autorin: Dr. Susanna Mohr
26.04.2019