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Schwere Hagelschäden in Sydney – ein extremes Ereignis?

Abb. 1: Hagelkörner , die am 20. Dezember 2018 bei Sydney gefallen sind (Foto: Leisha @IvySparkleStar via twitter und Warnung vor schweren Gewittern. Dargestellt mit Erlaubnis des Bureau of Meteorology.

Großer Hagel ist am 20. Dezember 2018 in Sydney und Umgebung gefallen: Einige Körner erreichten die Größe von Tennisbällen (bis zu 8 cm Durchmesser). Aber wie “extrem” ist so ein Ereignis? Kommt es alle 5, 30, oder nur alle 200 Jahre vor?

Wenngleich die genauen Schadensummen noch ermittelt werden, steht bereits fest, dass diese eine der teuersten Naturkatastrophen für den australischen Versicherungssektor war. Nach Schätzungen des Insurance council of Australia (ICA) trugen etwa 100 000 Schadenmeldungen zu einer Schadensumme von mindestens 870 Millionen australischen Dollar (etwa 480 Millionen Euro) bei. Das ist allerdings immer noch deutlich weniger als bei dem Ereignis vom 14. April 1999, als eine Superzelle über Sydney zog und versicherte Hagelschäden von 1.1 Milliarden Euro verursachte (Gesamtschaden 1.4 Milliarden Euro). Berücksichtigt man Bevölkerungswachstum, Wertsteigerung und Inflation seit 1999, würde ein solcher Gewitterzug heute den zwei- bis dreifachen Schaden verursachen. Auch andere australische Metropolen wie Brisbane, Melbourne oder Perth waren in den letzten zwanzig Jahren von Ereignissen ähnlicher Dimension betroffen, so dass Hagel insgesamt eine der für den Versicherungssektor teuersten Naturgefahren ist.

Abb. 2: Die Karte zeigt das Ausmaß der Schwergewitter in der Umgebung von Sydney aus Radardaten (hellrot) und Berichte von großem Hagel (rote Punkte). Dargestellt mit Erlaubnis von Willis Re Analytics, Sydney.

Die Arbeitsgruppe Atmosphärische Risiken am IMK-TRO arbeitet mit den Naturgefahrenspezialisten von WillisTowersWatson, einem global agierenden Unternehmen mit Fokus auf Risikoberatung, Versicherung und Rückversicherung, zusammen, um die Häufigkeit von Hagel und speziell solchen extremen Schadenereignissen in Australien zu bestimmen. In Kooperation mit dem Langley Research Center der NASA werden Methoden entwickelt, um die schwersten Gewitter in Fernerkundungsdaten – sowohl von Erdbeobachtungssatelliten als auch vom nationalen Wetterradarnetzwerk – zu identifizieren.  Kombiniert man diese Informationen mit Datenbanken von Hagelberichten und Reanalysen der atmosphärischen Bedingungen zur Zeit der Gewitterentwicklung, kann man die Wahrscheinlichkeit von Hagel abschätzen. Ein ähnliches Verfahren wurde zuvor schon in Europa angewandt und konnte nun in den deutlich verschiedenen Klimaten von Australien getestet und weiterentwickelt werden.

Die Auswertung von Beobachtungen über viele Jahre hinweg erlaubt es, die statistische Verteilung von Eigenschaften der Hagelzügen – Länge, Breite, Zugrichtung oder Hagelkorngröße – und auch die räumliche Verteilung der Ereignisse zu ermitteln. Wir haben als erste eine solche Untersuchung für den gesamten Australischen Kontinent durchgeführt. Nach ersten Abschätzungen aus diesen Daten kommt Hagel mit einem Durchmesser von 8 cm oder mehr in der Metropolregion Sydney etwa alle fünf Jahre vor – dies stimmt mit den 6 Beobachtungen solcher Ereignisse in den letzten dreißig Jahren überein. Allerdings hängt die Schadensumme sehr stark vom Ausmaß der Gebiete, die von großem Hagel betroffen sind, und den dort vorhandenen Objekten ab. Daher erzeugen wir eine große Stichprobe solcher Ereignisse, die dann mit der Verteilung von Werten wie Häusern, Fahrzeugen und Infrastruktureinrichtungen verschnitten wird. Aufgrund dieser Datensätze kann WillisTowersWatson seine Kunden bezüglich der angemessenen Bewertung von Versicherungs- und Rückversicherungsverträgen beraten und ihnen helfen, die eingegangenen Risiken zu begrenzen.

Abb. 3: Hagelhäufigkeit in Australien basierend auf Satellitenbeobachtungen (© Copyright [20 April 2018] AMS (hyperlink to full copyright notice below!)).

 

Weitere Informationen:

 

Bedka, K.M., J.T. Allen, H.J. Punge, M. Kunz, and D. Simanovic, 2018: A Long-Term Overshooting Convective Cloud-Top Detection Database over Australia Derived from MTSAT Japanese Advanced Meteorological Imager Observations. J. Appl. Meteor. Climatol., 57, 937–951, DOI:10.1175/JAMC-D-17-0056.1

Punge, H.J., K.M. Bedka, M. Kunz, A. Werner, 2014: A new physically based stochastic event catalog for hail in EuropeNat Hazards (2014) 73: 1625. DOI:10.1007/s11069-014-1161-0

AMS’s Full Copyright Notice:

© Copyright [10 April 2018] American Meteorological Society (AMS). Permission to use figures, tables, and brief excerpts from this work in scientific and educational works is hereby granted provided that the source is acknowledged. Any use of material in this work that is determined to be “fair use” under Section 107 of the U.S. Copyright Act or that satisfies the conditions specified in Section 108 of the U.S. Copyright Act (17 USC §108) does not require the AMS’s permission. Republication, systematic reproduction, posting in electronic form, such as on a website or in a searchable database, or other uses of this material, except as exempted by the above statement, requires written permission or a license from the AMS. All AMS journals and monograph publications are registered with the Copyright Clearance Center (http://www.copyright.com). Questions about permission to use materials for which AMS holds the copyright can also be directed to permissionsGsv0∂ametsoc org. Additional details are provided in the AMS Copyright Policy statement, available on the AMS website (http://www.ametsoc.org/CopyrightInformation).

Dr. Heinz Jürgen Punge, Prof. Dr. Michael Kunz

Arbeitsgruppe: Atmosphärische Risiken
25.01.2019